UMGANG MIT SCHMERZEN
Schmerz ist eine Reaktion unseres Körpers oder der Psyche auf massive Einwirkungen, auf große Veränderungen an Leib und Leben.

gut zu wissen…
Vielleicht ist es für Sie interessant zu wissen, dass vereinfacht ausgedrückt, wir sowohl körperlichen als auch seelischen Schmerz im selben Schaltzentrum des Gehirns wahrnehmen, sortieren und bewerten, nämlich den Scheitellappen (B. Glier, Chronischen Schmerz bewältigen, 2010).
Von wissenschaftlicher Seite wissen wir von Therapeuten und Ärzten aus der Erfahrung mit Schmerzpatienten, dass Schmerz sowohl eine vielschichtige physiologische Komponente hat (z.B. S. Butler/G. Moseley, Schmerzen verstehen), genau wie auch eine psychologische (z.B. B. Glier, Chronischen Schmerz bewältigen, 2010).
zum Beispiel…
Denken Sie an einen Sturz von der Treppe, einen Schnitt mit dem Küchenmesser, eine Prellung beim Sport, eine Verbrennung oder eine Verätzung. Rezeptoren in Ihrer Haut geben Ihnen über Nervenbahnen im Gehirn zu erkennen, dass etwas für Sie schädlich, schmerzhaft oder offensichtlich gefährlich ist (S. Butler/G. Moseley, Schmerzen verstehen, 2009).
Schmerzen können allerdings auch seelischer Art sein. Sie haben das vielleicht schon beim Verlust naher Menschen erfahren, durch eigene schwere Erkrankungen oder Krisen, die etwas Einschneidendes oder Endgültiges hatten (z.B. Krebs, Aids, Demenz, Querschnittslähmungen, Arbeitsunfähigkeit, Trennung, usw.). Auch Dinge wie ein finanzieller Bankrott, geplatzte Lebensträume, eine Trennung, Ablehnung, Mobbing, andere herbe Enttäuschungen oder Kränkungen können innerlich herausfordern und „schmerzen“.


noch mehr erfahren…
Schmerzen stellen sich oft irgendwann ein, wenn wir auf Hinweise oder Warnzeichen unserer Psyche oder unseres Körpers nicht hören wollen, die z.B. auf tiefgreifende Verletzungen hinweisen. Dies können alle Arten von körperlichen Beschwerden sein, die uns z.B. lange schon vor zu wenig Bewegung, schlechter Ernährung, deutlichen medizinischen Erkrankungen, o.Ä. warnen wollen. Sie können aber auch aus in uns angehäuften belastenden Erfahrungen bestehen, wie z.B. Mobbing oder anderen Formen der Erniedrigung und Kränkung (Haller, Reinhard: Die Macht der Kränkung. Salzburg, 2010). Sie können außerdem durch Kindheitstraumata oder unausweichliche, lebensbedrohliche Situationen ausgelöst worden sein. Soldaten in Kriegsgebieten, Misshandlungsopfer sowie Opfer von Naturkatastrophen, Menschen auf der Flucht, usw. leiden z.B. häufig unter derartigen Dingen
es gibt Hoffnung…
Es geht deswegen darum, Ihnen den Einfluss, den Ihre Gedanken bis zu einem gewissen Grad auf das Maß von Schmerz haben, vor Augen zu führen. Das soll nicht heißen, dass Sie eigentlich gar keine Schmerzen haben. Es soll Ihnen Mut machen, Ihren Schmerz genauer zu verstehen, ihn anders zu betrachten, zusammen mit der Tatsache, dass Sie als Individuum mehr als die Summe Ihrer Schmerzen sind. Und das ist eine echte Herausforderung. Diese müssen Sie nicht zwingend alleine bewältigen.
Vielleicht gibt Ihnen zusätzlich Hoffnung, dass Erfahrungen mit Schmerzpatienten gezeigt haben, dass das Wohlbefinden bzw. die Lebensqualität von Schmerzpatienten oft trotz aller Not und Schmerz doch steigerbar ist. Neben Medikamenten und Physiotherapie, Wahrnehmungstechniken aus dem Autogenem Training, neben Achtsamkeitstrainings, Schmerztagebüchern, Psychotherapie, hilft auch psychologische Beratung (B. Glier, Chronischen Schmerz bewältigen, 2010). Das meint keine falschen Heilsversprechen, die ein plötzliches „In-Luft-Auflösen“ des Schmerzes in Aussicht stellen, sondern einen anderen Umgang mit dem Schmerz. Es geht um eine veränderte Haltung und Übungen zum Umgang damit.
